Kopfschmerzen

Die häufigsten Kopfschmerzformen sind der Spannungskopfschmerz und die Migräne.

Bei beiden Kopfschmerzformen sind muskuläre Triggerpunkte im Bereich des Nackens und des Kopfes zu finden, deren manuelle Behandlung einen wichtigen Aspekt der nichtmedikamentösen Therapie bildet. Auch die Akupunktur des Kopfschmerzes kann nachweislich die Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzen vermindern. Diese Wirkung ist auch noch Monate nach der Behandlung nachweisbar.

Der andere wichtige Pfeiler der nichtmedikamentösen Therapie ist angepasste Bewegung und Gymnastik und bestimmte Entspannungsverfahren, die sehr individuell gefunden werden müssen.

Venus über dem Farrenpoint

Kopfschmerzassozierte Triggerpunkte finden sich durch die manuelle Untersuchung der Muskulatur der Schulter-Nacken-Region, der Muskeln und Muskelansätze des Hinterhauptes, des Kiefers und des Gesichtes. Häufig sind massive Störungen im Bereich des Kaputzenmuskels, der Halswirbelsäule in Höhe C3 und der Schläfenmuskulatur nachweisbar. Ein Druck auf die Triggerpunkte löst dann lokale Schmerzen oder Schmerzen in anderen Bereichen des Kopfes aus.

Die Behandlung beginnt jeweils sehr vorsichtig, um keine Kopfschmerzattacken hervorzurufen. Die Intensität wird von Behandlung zu Behandlung etwas erhöht bis eine gute Wirkung erreicht ist.

Die manuell osteopathische Behandlung „fühlt“ dabei die Muskeltriggerpunkte auf und dehnt bestimmte Faszienstrukturen auf. Die Akupunkturnadeln hinterlassen kleine neutrale Reize, die einige Tage weiterwirken und helfen die überaktivierten Schmerznerven und ihre Darstellung im Gehirn mit der Zeit auf ein normaleres Niveau zu senken.

Anderen gleichzeitig durchgeführten Behandlungsformen, wie Bewegung, bestimmten Medikamenten und Entspannung/Konzentrationsübungen stehe ich sehr aufgeschlossen gegenüber, weil ich um die Schwierigkeiten bei der Behandlung von Kopfschmerzen weiß.

Alpenaurikel

Wissenswertes über die Migräne

Typische Symptomatik:

Anfall dauert 4 bis 72 Stunden

2/3 unilateral, sonst auch bilateral oder wechselnd

pulsierender Schmerz

mittelschwerer bis schwerer Schmerz

Verstärkung durch körperliche Aktivität

Übelkeit oder Erbrechen

Licht- und/oder Lärmempfindlichkeit

Sonderform Migräne mit Aura:

5 bis 60min anhaltende neurale Ausfallerscheinungen: z.B. Sehstörung, Empfindungsstörungen, Schwindel, Gangunsicherheit

Typische Indikation zur bildgebenden Diagnostik:

bei erstmaligen Auftreten nach dem 40. Lebensjahr

bei der Häufung von Migräne-Auren

Medikamentöse Akutbehandlung

Analgetika – Schmerzmittel

Antiemetika – Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen

Triptane – spezifisch in der Anfangsphase wirkend, verschiedene Verabreichungsformen, Halbwertszeit beachten

Medikamentöse Migräneprophylaxe

Beta Blocker – niedrig dosiertes Blutdruckmittel

bestimmte Antiepileptika – niedrig dosiert

bestimmte Antidepressiva – niedrig dosiert

Nichtmedikamentöse Migräneprophylaxe

Regelmäßiges aerobes Training:
Schwimmen, Fahrradfahren, dauerlauf, Nordic Wlaking, Skilanglauf

Lockerung der Schulter-Nackenmuskulatur

Progressive Muskelrelaxation nach Jakobsen

Ausschalten von Triggerfaktoren:
Rotwein, bestimmte Käsesorten, Glutamat
Änderungen des Schlafrythmus
Stress(verarbeitung) in der Arbeit und zu Hause

Realistische Erwartungen an die Prophylaxe!

Die genannten Therapien wurden in großen Studien untersucht. Nach einer Anwendungsdauer von 3 bis 6 Monaten ergibt sich eine Senkung der Anfallshäufigkeit und Anfallsintensität von 50% im Mittel der untersuchten und befragten Patienten. Deswegen wird das zumindest halbmonatige tagesgenaue Führen eines Kopfschmerztagesbuches (vor Beginn und 3 Monate nach Beginn der Therapie) empfohlen, um eine Besserung für sich und den Arzt dokumentieren zu können.

 

Wissenswertes über den Spannungskopfschmerz

Der Spannungskopfschmerz ist die häufigste Kopfschmerzform.
Er wird nach der Häufiigkeit des Auftretens pro Monat weiter differenziert.
Er kann auch zusätzlich zu einer Migräne auftreten.
Er kann durch die häufige Einnahme von Schmerzmitteln (Daumenregel mehr als 8 Tage im Monat) verursacht sein.

Er ist ein Begleitphänomen bei einer Vielzahl anderer Erkrankungen (häufig Grippe, selten Meningitis oder Arteriitis temporales)

Diagnose:

Meist beidseitig.
Drückender, dumpfer Schmerz.
Leichte bis mittlere Schmerzintensität.

Keine deutliche Veränderungen durch normale körperlich Aktivität.
Keine Übelkeit. Evtl. Apititlosigleit.
Evtl. Licht- oder Lärmempfindlichkeit. Nicht beides.

Therapie:

Pfefferminzöl

Analgetika (Häufigkeit beachten)

(Flupirtin (Katadolon, Trancolong) bei Kindern getestet, keine Indikation im Beipackzettel, wirkt über die muskuläre Komponente des Schmerzes)

Prophylaxe:

Aerobes Training

Schulter-Nackenmuskulautr

Entspannungstraining nach Jakobsen

Akupunktur

Antidepressiva in niedriger Dosierung, Wirkung nach 4 bis 8 Wochenkontinuirlicher Steigerung bei minus 40%!, in Kombination mit den anderen Maßnahmen wirksamer.

Realistische Erwartungen an die Prophylaxe, kontinuierliche Durchführung der phrophylaktischen Möglichkeiten über Monate.

Mögliche Nahrungsmitteltrigger besonders bei Kindern:
Kuhmilch
bunte Süßigkeiten und Limonaden und Fertigprodukte wegen der Konservierungs- und Farbstoffe

 

Literatur:

Matthias Keidel (Hg), Kopfschmerz Management in der Praxis, Thieme 2005

 

Wissenswertes über myofasziale Triggerpunkt bei Kopfschmerzen

Grundlagen: Nur 10″ der Kopfschmerzen sind monokausal, 90% dagegen multifakortiell verursacht.

Muskuläre Triggerpunkte spielen sowohl am Kopf (M. temporalis und Stirnmuskulatur), als auch an der HWS (M. trapezius und hohe paravertebrale Muskulatur) eine wichtige Rolle in der Beständigkeit und Ausprägung von Kopfschmerzen.

Muskuläre Triggerpunkte bilden die Brücke zu bekannten funktionellen Faktoren, wie der Kopfposition bei Bildschirmarbeit oder beim Rennradfahren und der Tatsache, dass im Beruf körperlich aktivere Menschen seltener unter Kopfschmerzen leiden und dass funktionelle Übungen die Häufigkeit und Stärke der Kopfschmerzen mildern können.

Beteiligte Muskulatur

Muskulus trapezius descendes, transversus und ascendens.
Der unmittelbar unter der Haut gelegen Kaputzenmuskel ist oft kälteempfindlich, die akuten Schmerzpunkte liegen im Muskelbauch im Schulter-Nackenbereich, die chronischen im unteren Bereich zwischen den Schulterblättern. Sein Ansatz im Bereich des Hinterhauptes erklärt die Schmerzausstrahlung in den Hinterkopfbereich.

M. levator scapulae.
Die Dysfunktion dieses Muskels spielt eine große Rolle bei der Aufrechterhaltung einer geknickten Halswirbelsäulenstellung. Eine funktionelle Kräftigung sollte zusammen mit der vorderen Halsmuskulatur erfolgen, dem M. flexor coli.

M. splenius capitis, M. splenius cervicis, M. semispinalis capitis.
Diese in der „zweiten“ Schicht entlang der Halswirbelsäule gelegenen Muskeln können Schmerzen an der Seite des Kopfes und auf der Kopfhöhe verursachen.

M. temporalis und M. massetter.
Die Kaumuskulatur ist auch beim Menschen noch erstaunlich kräftig ausgebildet und für Schmerzen im seitlichen Kopfbereich verantwortlich.

M. occipitofrontalis.
Liegt an der Stirn und ist der Zielpunkt einer Vielzahl von hilfreichen Akupunkturpunkten, die aber auch manuell behandelt werden können.

Oft sind nicht nur die Muskeln selber betroffen, sondern auch ihre Ansätze. Wegen des hohen bindegewebigen Anteiles ist hier Geduld in der Behandlung der Ansätze an Schulterblatt, den hinteren Wirbelfortsätzen und dem Hinterhaupt gefragt. Auch hier erzielt die Kombination manueller Therapie mit Bewegung die besten Erfolge.

Literatur:

Roland Gautschi, Manuelle Triggerpunkttherapie, Thieme 2010

 

Wissenswertes über die Akupunktur von Kopfschmerz

In den Jahren 2002 bis 2006 wurde eine hohe Anzahl von Kopfschmerzpatienten im Rahmen von Studien mit Akupunktur behandelt. Diese Studien wurden von den deutschen Krankenkassen finanziert. Heraus kam, dass Akupunktur bei Kopfschmerzen einen wesentlichen Beitrag leisten zur Symptom-, Frequenz und Medikamentenreduktion. Sie wirkt Monate über die eigentliche Anwendung hinaus. Der Unterschied zwischen den Originalpunkten und den einige Zentimeter entfernt gestochenen Scheinpunkten ist bei der Kopfakupunktur geringer als zu Beginn der Studie gedacht.

Die Ergebnisse der GERAC Studie über Migräne und Spannungskopfschmerz im Deutschen Ärzteblatt als Link.

 Wikipedia Artikel über die GERAC Studien über die Akupunktur bei Kopf-, Nacken-,  Rücken und -Knieschmerzen.