VON TRIGGERN UND NERVEN

Ein aktiver Trigger löst Schmerzen aus. Fast jeder hat schon einmal unter dem „dumpfen“ und schwer erträglichen Schmerz eines aktiven Triggers gelitten. Der schmerzauslösende Punkt liegt in einem Strang verhärteter Muskelfasern. Diesen finden wir nicht immer am Ort des Schmerzes, sondern meist etwas „stammnäher“ zum Körper hin verschoben.

Der aktive Trigger schwimmt in aggressiven biochemischen Substanzen, die die elektrischen Ausbrüche von Schmerznerven begünstigen. Jede Behandlung, welche die Konzentration dieser Substanzen herabsetzen kann, lindert den Schmerz.


„Aktive“ Trigger haben einem Vorläufer, die „latenten“ Trigger. Diese entstehen im Zusammenhang mit kleinen Verletzungen und interessanterweise auch durch den Nichtgebrauch des Muskels. Die Druckempfindlichkeit des ischämischen Triggers im muskulären Hartstrang ist gleich zum aktiven Trigger. Allerdings verursachen latente Trigger noch keine Schmerzen.

Das Problem mit latenten Triggern ist aber, dass sie auch schon die Bewegungsabläufe unseres Körpers beeinflussen. Da sie sich, wie gesagt, schmerzmäßig meist völlig unauffällig verhalten, verändern sie das Haltungsmuster über Jahre. Die zeitlichem Aktivierungsmuster kooperierender Muskeln werden zuerst gestört. Beispielsweise wird der das Schultergelenk stabilisierende kleine Muskel etwas später aktiviert als der große kräftige Muskel. Passive Strukturen wie Muskelansätze, Gelenke und ihre Bänder fangen diese Fehlfunktion ab und werden in das Geschehen mit einbezogen.

Das Umkippen der latenten Veränderungen erfolgt zu einem Zeitpunkt X, oft im Zusammenhang mit einem eher banalem Ereignis. Aktive und passive Trigger müssen ein zentrales Thema der Prävention und Rehabilitation sein. Und zwar bevor es zu den sehr schwer zu behandelnden neuropathischen Schmerzen kommt.

Neuropathische Schmerzen entstehen durch Veränderungen unseres Nervensystems.

An der Wirbelsäule und anderen Stellen, an denen Nerven durch Engstellen ziehen, kommt es durch die harte Muskulatur zu einer Beeinträchtigung des lokalen Durchblutungssystemes des Nerven. Das Gefühl in der (von dem Wirbelsäulen-Nerv) versorgte Region wird anders.

Längerer Druck auf den Nerven verändert aber auch den Transportes von „Wachstumsfaktoren“ von der Nervenwurzel zu den vom Nerv versorgtem Gewebe. Die (von Wachstumsfaktoren abgeschnittenen) regionalen Gewebe werden empfindlicher und verletzungsanfälliger.

Unser Nervensystem ist extrem anpassungsfähig. Auch ein chronischer Schmerz führt zu Anpassung. Auf molekularer Ebenen wird die Übersetzung der Gene beeinflusst. Im Rückenmark werden bisher stumm geschaltete Nervenverknüpfungen aktiv. Im Gehirn kommt es zur Ausdehnung der stoffwechselaktiven Schmerzbezirke. Viele dieser Veränderungen sind, wenn überhaupt, nur durch starke Medikamente zu beinflussen.

Das Vorliegen eines Muskel- und Gelenkschmerzes zusammen mit Nervneschmerzen nennt der Wissenschaftler „mixed pain syndrom“ - das gemischtes Schmerzsyndrom. Bei chronischen Schmerzen ist dies der am häufigsten anzutreffende Schmerztypus und er ist, wie die Erfahrung in Klink und Praxis zeigt, nicht leicht zu behandeln.