Muskuläre Triggerpunkte und -bänder des Nackens


Triggerbänder und Triggerpunkte sind sehr häufig. 

Die schmerzauslösenden Triggerbänder werden dem Arzt meist schon durch den Patienten gezeigt. Der Arzt sollte die Körpersprache des Patienten ernst nehmen und sie in eine erfolgversprechende Behandlungsmethode übersetzen können. Triggerpunkte, die auch Schmerzen in weiter entfernten Arealen auslösen können, sind ebenfalls sehr häufig. Auch hier gibt es inzwischen Forschungen über die typische Lage und die erfolgreiche Behandlung dieser Punkte. Sowohl Triggerbänder als auch Triggerpunkte gehören zu den typsichen Manifestationen des (zur Chronifizierung neigenden) myofaszialen Schmerzsyndroms.


Die zwei typischen Verläufe der Triggerbänder im Schulter-Nacken-Bereich.

  1. Das erste Triggerband verbindet die Schulter seitlich zum Hinterhaupt. Es schränkt die Drehbewegung des Kopfes und die Armhebung ein.
    Etwas vor dem ersten Triggerband befindet sich der obere Triggerpunkt des Kaputzenmuskels über dem Muskelbauch des Schulterblatthebers, der oft als hernierter Triggerpunkt vorliegt. Für hernierte Triggerpunkte ist die Richtung des Behandlungsdruckes wichtig.
    Sonographisch sind bei akuten Schmerzen zwischen dem Kaputzenmuskel und dem Schulterblattheber auch Flüssigkeitsspiegel sichtbar, die eine Folge der akuten Reizung sind.

  2. Das zweite Triggerband beginnt zwischen die Schulterblätter und verläuft von dort bis zum Hinterhaupt. Es schränkt die Beuge- und Streckbewegung des Kopfes und der oberen Brustwirbelsäule ein.
    Etwas seitlich des zweite Triggerbandes befindet sich der unterer Triggerpunkt des Kaputzenmuskels, welcher insbesondere bei chronischen Schmerzen, die mit einer sitzenden Tätigkeit verbunden sind, sehr hartnäckig sein kann. Dieser Triggerpunkt ist meist in sehr derben bindegewebigen Strängen tastbar und dadurch vor Versuchen der eigenständigen Dehnung geschützt.


Vorteile des Triggerband-Konzeptes für die Behandlung.

Es ist eine umfassende, aber auch gleichzeitig eine sehr vorsichtige Behandlungsmethode, da es ja immer eine Rückkopplung zu dem Behandler gibt. Das Konzept des Triggerbandes vereint mehrere Muskeln, Faszienschläuche und Myotome zu einer Einheit. Das erste Triggerband folgt  anatomisch dem Verlauf des oberen Trapezius, es schließt aber gleichzeitig den für die Rotation wichtigen Schulterblattheber und die für die Seitneigung wichtigen Scalenii mit ein. Die neurale Versorgung umfasst dabei mehrere Nerven der Halswirbelsäule. In der streichenden Bewegung der Behandlung werden auch die Ursprünge des Bandes am Schulterblatt, die Insertationen des Muskels an den Querfortsätzen der Halswirbelsäule und der Ansatz am Hinterhaupt auf Veränderung geprüft und behandelt.


Triggerbänder und -punkte verändern Bewegungen dauerhaft. 

Durch die Bewegungseinschränkung werden weitere Verletzungen wahrscheinlicher. An der Halswirbelsäule sind hiervon die kleinen Wirbelgelenke betroffen, die eine gleitende Bewegung vollführen sollen. Rein mechanisch gesehen kommt es bei unterschiedlichen Spannung der gelenkumgreifenden Muskulatur zu einer Verkantung der Gelenke mit einer Schädigung der Gelenkflächen durch den punktuell erhöhten Druck. Im Experiment zeigen sich diffizilere Veränderungen. Bei Bewegungen werden Muskeln in einer bestimmten Reihenfolge aktiviert werden, um die Gelenke zu stabilisieren bevor die eigentliche Bewegung beginnt. Diese sich im Millisekundenbereich abspielende Muskelaktivierungsfolge wird durch Triggerpunkte nachweißlich verändert.


Warum kann man den Triggerpunkt ertasten?

Um den eigentlich muskulären Kontraktionsknoten kann eine "entzündliche Suppe", bestehend aus verschiedenen Botenstoffen nachgewiesen werden. Diese aktivieren Schmerzendigungen und sorgen für ein lokales Ödem, welches tastbar ist. Interessanterweise wird auch immer eine Unterversorgung mit Sauerstoff und eine lokale Übersäuerung des Gewebes nachgewiesen. 


Wie erfolgt die Therapie?



Tyische Behandlungsverläufe:

  • Die Veränderung nach einer "ausreichend starken" Therapie kann unmittelbar durch eine jetzt schmerzfreier Bewegung festgestellt werden. Alternativ kommt es im Verlauf einer Behandlungsserie (6 bisi 8 Termine) zu einer Besserung, wenn die Belastungsfähigkeit des Gewebes gesteigert wird. Schmerzfreie Intervalle werden länger, Schmerzperioden kürzer. Beide Behandlungsverläufe sind für Arzt und Patient sehr erfreulich.

  •  In 10 bis 20 % der Fälle, häufig mit seit vielen Jahren bestehenden Beschwerden, ist erst ein Überwinden der chronischen Schmerznervenaktivierung notwendig, bevor die notwendige Behandlungsintensität bei Therapie und Bewegung erreicht werden kann. 
    Auch in solchen Fällen bietet sich eine ambulante Behandlung an, da hierdurch das Gewebe, bei einer oder zwei Behandlungen in der Woche, ausreichend Zeit hat sich zu regenerieren. Eine stationäre Therapie tut sich hier viel schwerer, da täglich mehrstündige Anwendungen erfolgen und die Gefahr eines Überschreitens der Toleranz bei sehr eingeschränkter Belastbarkeit sehr viel höher ist. Deswegen ist auch der Gebrauch von Medikamenten bei stationären Therapien erfahrungsgemäß höher. Medikamente dürfen aber auch in der ambulanten Therapie, oft niedriger dosiert, um im Alltag nicht zu stören, Anwendung finden.




© Jochen Knies 2012